Die Gesundheit beim Border Collie - der Schlüssel zu einem leistungsfähigem Hund
Die Gesundheit eines Individuums, sowohl im Körper als auch im Geiste, ist die Grundlage für sein Wohlergehen. Ein gesunder Hund springt, rennt, tobt und kann sich uneingeschränkt bewegen und entfalten – sowohl körperlich als auch charakterlich. Alle meine Hunde sind daher gesundheitlich auf alle bekannten Erbkrankheiten untersucht, geröntgt und werden regelmäßig beim Tierarzt und Physiotherapeuten vorgestellt.
Das erstrebenswerteste Ergebnis bei den Untersuchungen ist natürlich 100 % frei von allen Krankheiten. Allerdings handelt es sich hier um ein Ziel, das auch unter seriösen Border Collie Züchtern noch nicht erreicht ist und vielleicht auch nie erreicht werden kann.
Aber wie kann das sein?
Machen wir einen kleinen Ausflug in die Genetik. Viele Lebewesen haben zwei Allele auf den Chromosomen liegen – sogar die meisten Pflanzen (diploide Organismen). Auf diesen befinden sich kurz gesagt die unterschiedlichen Gene, die für bestimmte Ausprägungen und Entwicklungen verantwortlich sind. Hat ein Mensch, Tier oder auch manche Pflanzen zum Beispiel die Geschlechtschromosomen mit der Ausprägung XX, so wird das weibliche Geschlecht bei diesem Organismus entwickelt werden. Liegen stattdessen ein X und ein Y Allel vor, ist der Träger männlichen Geschlechts. Vererbbar ist allerdings beides. Ein Mann kann also dementsprechend auch Töchter zeugen und eine Frau natürlich auch Söhne. Das ist auch der Grund, warum zwei schwarz weiße (black-bi) Border Collies Eltern von roten (ee-red bzw. cremefarbenen) Welpen werden können. Relevant sind hierfür die Allele auf dem E-Lokus, einem Abschnitt eines Chromosoms, welcher wiederrum bestimmt, ob der Hund schwarz bzw. braun oder rot (augenscheinlich quasi blond/cremefarben) wird. Der Erbgang dafür sieht folgendermaßen aus:
Daher kommt zum Beispiel auch der Name ee-red für rote, blonde bzw. cremfarbene Border Collies. Sie alle tragen auf dem E-Lokus zwei rezessive, kleine e’s. Dieser Erbgang findet für jede Eigenschaft des Hundes statt. Egal ob Farbe, Felllänge, Stehohren oder sogar der Grad des Haarverlusts (shedding) und natürlich auch für Krankheiten.
Am Beispiel oben lässt sich ganz gut erkennen, dass beide Hunde also zu 25 % Nachkommen zeugen würden, die reinerbig (homozygot) schwarz sind, und daher also frei von rot, und auch niemals rote Nachkommen zeugen können, egal mit welchem Partner. 50 % der Welpen würden das Rot tragen, aber man würde es ihnen nicht ansehen, da sie, trotz des einen Alles, phänotypisch schwarz wären (mischerbig bzw. heterozygot). Der Phänotyp, also das Erscheinungsbild, prägt hier nur das Schwarz aus, welches dominant vererbt wird (erkennbar auch an dem großgeschriebenen Buchstaben E). Mit dem richtigen Partner könnten aber wieder rote Welpen geboren werden. Die restlichen 25 % sind reinerbig rot, sie zeigen nun also auch das rot in ihrem Fell. Verpaart man diese wiederrum wieder mit einem schwarzen Hund, würden, je nach Genotyps des schwarzen Hundes, wieder schwarze und rote Hunde (Verpaarung ee und Ee führt zu Ee und ee) oder sogar nur schwarze Hunde geboren werden (Verpaarung ee und EE führt nur zu Ee).
So ähnlich läuft es auch bei Krankheiten ab. Allerdings hängt es hier ein bisschen davon ab, ob die Krankheit eben dominant (großer Buchstabe) oder rezessiv vererbt wird (kleiner Buchstabe). Wird sie dominant vererbt, dann sind wie im Fall der schwarzen Farbe, bei zwei betroffenen Eltern mit einem dominanten und einem rezessiven Allel, 75 % der Nachkommen betroffen. Wird sie hingegen rezessiv vererbt, dann sind wie im Fall der roten Farbe, bei zwei betroffenen Eltern, nur 25 % der Welpen betroffen. Bei zwei Eltern mit jeweils zwei dominanten Allelen (in dem Fall von unserem E-Lokus EE), wären sogar 100 % der Welpen betroffen, genau wie sie im Fall der Farbe alle zu 100 % schwarz als Grundfarbe wären (Verpaarung EE und EE führt nur zu EE).
Die meisten bekannten Krankheiten werden rezessiv vererbt, was bedeutet, dass beide Allele die Krankheit tragen müssen, damit sie ausgeprägt werden kann (wie im Fall von Rot ee). Der Erbgang sieht also folgendermaßen bei nur einem Träger und einem komplett freiem Elterntier aus (G bzw. g steht hier in dem Fall einfach für gesund für eine bessere Veranschaulichung, G bedeutet gesund, g bedeutet nicht gesund):
In diesem Fall wären also 50 % der Welpen frei von der Krankheit und 50 % würden sie lediglich tragen, wären aber durch das vorhandene dominante, gesunde Gen auch selbst nicht betroffen. Genetisch ist es hier also auch unmöglich, dass es kranke Hunde aus dieser Verpaarung geben würde.
Das ist auch der Grund, warum Träger Hunde noch immer in der Zucht eingesetzt werden dürfen und auch sollten. Denn würde man alle Träger Hunde, was sicherlich in manchen Rassen mehr als die Hälfte der Hunde betrifft, aus der Zucht nehmen, würde man schlagartig den Genpool so sehr dezimieren, dass man bei vielen Hunderassen sicherlich zur Inzucht gezwungen wäre, wenn man sie weiterhin züchten wollen würde. Das wiederum hätte zur Folge, dass man den Weg für weitere, bisher vielleicht unentdeckte Genkrankheiten oder Mutationen ebenen würde. Game of Thrones Fans kennen den Fall vielleicht – „Immer, wenn ein Targaryen geboren wird, werfen die Götter eine Münze.“
Der sicherste Weg ist daher, in der Zucht auch Träger von bestimmten Krankheiten einzusetzen und darauf zu achten, diese natürlich nur mit freien Tieren zu verpaaren. So geht man sowohl bekannten als auch unbekannten Erbkrankheiten aus dem Weg und erhält sich einen gesunden Genpool für ein nachhaltiges Bestehen der Rasse.
Mehr zu den verschiedenen Erbgängen, kannst du auf der Seite des IRV durchlesen unter Genetik des Hundes durchlesen.
Abschließend sei gesagt, dass die Genetik, sowohl bei uns Menschen als auch bei unseren Hunden, eine große Black Box ist. Sie ist noch nicht ansatzweise so weit erforscht, dass man für alle Krankheiten die Erbgänge festlegen kann. Wem bei dem Text oben schon der Kopf raucht, dem sei gesagt, dass wir hier nur von einem homogenen Erbgang gesprochen haben, also einem Erbgang, der ein Merkmal ausprägt (wie zum Beispiel eine Farbe oder eine Krankheit). Es gibt aber auch Merkmale, die durch polygene Erbgänge bestimmt werden, sprich es sind mehrere Gene an ihnen beteiligt, die alle zusammenspielen müssen, damit das Merkmal schlussendlich ausgeprägt wird. Hier sind bei unseren Hunden nicht ansatzweise alle Gene bzw. Allele bekannt und es obliegt zum Teil einfach dem Zufall, ob die Nachkommen gesund sind, oder eben nicht, wie zum Beispiel im Falle von Hüftdysplasie (HD).
Daher ist eine gute und seriöse Zucht nichts anderes als Risikominimierung. Zu 100 % ausschließen, dass doch auch mal kranke Nachkommen geboren werden, kann man leider (noch) nicht. Aber ein guter Züchter tut auf Grundlage der bisher bekannten Erbgänge alles, um hier das Risiko so klein wie möglich zu halten. Aus diesem Grund gibt es spezielle Krankheiten, auf die ein Border Collie für die Zucht auf jeden Fall getestet werden sollte:
- Collie Eye Anomalie (CEA)
- Progressive Retina Atrophie (PRA)
- Glaukom und Goniodysgenesie (GG)
- Neuronale Ceroid Lipofuszinose (NCL)
- Trapped Neutrophil Syndrome (TNS)
- Imerslund-Gräsbeck-Syndrom (IGS)
- Multidrug-Resistance 1 (MDR1 Defekt)
- Raine-Syndrom (RS)
- Sensorische Neuropathie (SN)
- Hyperurikosurie (HUU)
- Early Adult Onset Deafness (EAOD)
- Von Willebrand Erkrankung I
- Dentale Hypomineralisierung
Auch wenn die Zucht mit Trägern einer Krankheit möglich ist, habe ich es mir dennoch zum Ziel gesetzt, auf die Zucht mit Trägern weitestgehend zu verzichten, da man auch hier irgendwann in einer genetischen Sackgasse landen kann. Diesem Ziel versuche ich so weit es möglich ist, treu zu bleiben.
Für folgende Krankheiten gibt es leider (noch) keine Gentests, daher ist hier der Blick auf den Stammbaum so wichtig. Nur gesunde Elterntiere, in deren Stammbäumen keine dieser Krankheiten nachzuweisen sind, sollten verpaart werden beziehungsweise sollten, auch bei freien Elterntieren, Hunde, welche in die Zucht gehen sollen, darauf untersucht werden (z. B. durch Röntgenverfahren):
- Hüftgelenksdysplasie (HD)
- Ellbogendysplasie (ED)
- Patella Luxation
- Osteochondrosis dissecans (OCD)
- Keilwirbel (LÜW)
- Katarakt (grauer Star)
- Epilepsie
- Border Collie Collapse (BCC)
Auf Grund der Tatsache, dass sich die oben genannten Krankheiten meist erst im Laufe des Hundelebens zeigen, ist es wichtig die Entwicklung der Welpen genau zu beobachten. Deshalb bitten wir alle Welpenkäufer ihre Hunde mit 12 bis 15 Monaten röntgen zu lassen, um Skelett- und Gelenkserkrankungen ausschließen zu können. Wurfwiederholungen gibt es nur, wenn sich die Welpen aus der ersten Verpaarung als gesund erweisen.